Bild der Kirche Beverstedt

Innehalten

Unsere Angebote für Sie aufgrund der aktuellen Lage

Gottesdienst

Auf dieser Seite finden Sie Lesenswertes für Coronazeit; u.a.einen Link für den jeweils aktuellen Gottesdienst ZZ (zeitgleich und zuhause), den Sie für sich allein oder mit Ihrer Familie zuhause feiern können, und Andachten zum Lesen für die Feiertage sowie weitere Texte.

Alle Lieder des Gottesdienstes sind auch im Evangelischen Gesangbuch, Ausgabe Niedersachsen zu finden

Gottesdienst ZZ

Z.Zt. können wir unsere Kirche leider nicht für Gottesdienste öffnen. Darum finden Sie auf der Homepage des Kirchenkreises Wesermünde einen Gottesdienstablauf nach dem Sie zuhause und zeitgleich mit anderen am Sonntag um 10.00 Uhr alleine oder mit ihrer Familie einen Gottesdienst feiern können.

Andachten zu den Feiertagen

Da wir in diesen Tagen keine Gottesdienste mit Ihnen in unserer Kirche feiern können, hier zwei Andachten zu Karfreitag (plattdeutsch) und Ostern

Plattdütsch Andacht to still Freedag (Karfreitag)

De stille Freedag

so nöhmt se mi all siet eh un je. Man ehrlich - still is dat all lang nich mehr weddn an den stillen Freedag. De eene hett sien Geburtsdag fiert, för anners een weer dat de Daag, wor se ehrn Hochtiedsdag mit Familie un Frünnen in't Wirtschaft fiern kunn. An Sünnobend un an de Osterdaagen kunn man sück denn van all de Strapazen verhoolen. Vör de Arbeit in't Gaarn, wenn dat Weer good genoog weer, hebb ik ok faaken herhollen. Na ja uns so'n Fischbüffett an Karfreedag, dat lett sück doch ok keen een gern entgahn.

Wie mag dat dit Johr worden? De Gaarn is up Stee. Dat Huus is uprüümt, de Wäsche wuschen un plett't.  Fiern is verboden, denn dorbi kummt man ja mit anner Lüe in Kontakt. Sogar dat Binnanerföhrn van Struuk vör dat Osterfüer fallt ut. Dat süht meist so ut, as wenn de stille Freedag dit Johr würklich still word.

De een of anner mag woll all överleggen, wi he de Stille denn füllen kann? Notfalls kann man ja villicht all de Ostereier farben, de Ostersönndag up'n Disch staht.

Vör de, de de Stille utholln willt, een paar Gedanken to'n Nasinnen:

De stille Freedag heet so, wiel an dissen Dag Jesus an't Krüüz storben is.

Wenn een Minsch starven deiht, is dat good, wenn wi still word un doröver nadenkt, wat wi mit em beleevt hebbt, wat he uns achterlaaten hett und mitgeben deiht up uns Padd. Veel Woorden sünd in't Bibel upschreeven, de Jesus genauso oder sinngemäß seggt hett. De Woorden, de Jesus an't Krüüz seggt hett, wiesen in verscheeden Richtungen. För dit Johr passt na mien Dünken am besten dat Woort ut dat Johannesevangelium. Dor staht Jesus siene Mutter un Johannes ünner dat Krüüz. Un Jesus wiest de beiden eenanner to. An siene Mutter seggt he: „Froo, kiek, dat is dien Söhn“ un an sien Jünger seggt he: „Kiek, dat is dien Mutter“. (Johannes, 19,26+27)

Twee Minschen worden verbunnen, wiel se dat glieke Lieden deelt. Beid sünd se truurig un troostlos, dat dat Leevste, wat se in ehr Leven harrn, nich mehr dor is. Jesus wiest de beid annanner. Se schöllt nu Verantwortung vörnanner övernehmen. Een schall vör de anner dor weddn. Un so steiht dat bi Johannes schreeven: Un van de Stünn an, nohm de Jünger se (Jesus siene Mutter) to sück.

In disse Daagen, wor veel Minschen dör dat glieke Lieden verbunnen sünd, kann man ok dat anner beleven: een is vör de anner dor. Een steiht vör de anner in. Villicht könnt wi dissen stillen Freedag doröver nadenken, keen war'd mit towesen, för keen kann ik dor weddn? Un umgekehrt: Keen is för mi dor, wenn mi dat schlecht geiht?

Wenn ji de Stille tolaaten könnt, un wenn't bloß för een Oogenblick is, denn könnt ji mit Woorden van een Leed (In der Stille angekommen; Text: Christoph Zehender; Musik: Manfred Staiger) villicht ok seggen:
In de Stille bün ik ankaamen, wor ik ruhig un falt mien Hannen to'n Gebet.Groode Woorden sünd nich nöödig, denn Gott weet ja, wi dat um mi steiht. Danken un loben, bitten un flehn. Tied mit Gott verbringen. De Welt mit open Oogen sehn. Snacken, Hören, fragen, verstahn. Tied mit Gott verbringen – de Welt mit sien Oogen sehn.

Dorför is so een stillen Freedag good: de Welt mit Gott sien Oogen ankieken, denn gaht uns seker de Oogen open.

Verfasserin: Christa Naatjes-Schroeter

 

 

Ostern – hier und heute

Was wäre, wenn es Ostern nicht gegeben hätte? Wenn die Frauen, von denen die Ostergeschichte erzählt, am Ostermorgen alles so vorgefunden hätten wie erwartet?

Ich versuche, mir das Ganze vorzustellen: Sie machen sich also auf den Weg zum Grab. Drei Tage zuvor ist Jesus gestorben und beerdigt worden. Nun wollen sie alles herrichten. Grabpflege, könnte man sagen. Auch die kann helfen beim Trauern (Selbst solche Grabpflege ist für Manche in diesen Corona-Tagen schon schwierig geworden).

Es wird schwer für diese Frauen sein, wieder ins Leben zurückzukehren. Sie können schließlich nicht so weiterleben, als sei das mit Jesus nicht gewesen. Nichts ist nicht mehr wie vorher. Dennoch: Es ist vorbei. Das Leben muss weitergehen. Langsam werden sie wieder in ihren Alltag zurückkehren, werden ihrer Arbeit nachgehen, werden sich um ihre Familien kümmern...

Was bleiben wird? Der Gang zum Grab, mit Tränen in den Augen. Eine schmerzhafte Erinnerung an Jesus, an das, was sie mit ihm erlebt haben, an die Hoffnung, die sie hatten. Eine wehmütige Erinnerung wird bleiben an ein neues Leben, das ihnen da für einen Moment offen stand. Manchmal werden sie untereinander voll Wehmut davon erzählen „Weißt du noch, damals mit Jesus...“ Aber es bleibt Vergangenheit, eine kurze „goldene“ Zeit - und das Grab, das am Ende von alledem geblieben ist.

Aber es kommt anders! Ganz anders, als diese Frauen am Ostermorgen es erwartet haben. Der Stein ist weggewälzt, das Grab ist leer. Stattdessen sitzt da ein Fremder und sagt ihnen: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.... Geht und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hergehen wird nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“

Mit diesen Worten ändert sich die Perspektive völlig. Es ist nicht mehr der wehmütige Blick auf das, was war, auf das Vergangene. Es ist nicht mehr der schmerzhafte Blick auf das Grab, auf das Verlorene. Der Fremde reißt sie da heraus und wendet ihren Blick vom Grab weg: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier...“ Hier im Grab, hier im Vergangenen werden sie ihn nicht finden. Dafür müssen sie nach vorne gucken. Dahin, wo seine Sache lebendig ist und weitergeht. Da werden sie ihn finden; da wird er lebendig und gegenwärtig sein mitten unter ihnen. - So werden sie losgeschickt zu den anderen, zu den Jüngern. Ihnen sollen sie die Botschaft weitergeben. Und dann hingehen nach Galiläa, dorthin, wo alles begonnen hat. Dort wird es weitergehen.

Für die drei Frauen kommt dieser Umschwung viel zu plötzlich. Er macht Angst wie alles Unerwartete. Zunächst laufen sie voll Schrecken weg und wagen nicht, von dem Erlebten zu erzählen. - Doch später werden sie sich besinnen. Sie werden die Botschaft weitertragen zu den Anderen. Sie werden die sein, die damit Jesu Sache wieder in Bewegung bringen. Sie werden die Geschichten von Jesus weitererzählen, was er gesagt und getan hat, was sie mit ihm erlebt haben. Aber es werden nicht vergangene wehmütige Geschichten sein, sondern Geschichten, die von einem Anfang erzählen. Geschichten, die von etwas erzählen, was immer noch lebendig ist. Geschichten, die von einem erzählen, der selbst noch lebendig ist, der immer noch Menschen berührt und auf dem Weg bringt. „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier im Grab. Er ist lebendig.“

Das bedeutet für mich Ostern. Österlicher Glaube, der erschöpft sich nicht in einem verklärten Blick zurück auf Jesus. Österlicher Glaube, das ist auch nicht der gebannte Blick zurück auf die Auferstehung damals, wie man sich das denn denken und vorstellen soll. Österlicher Glaube, das ist der Blick auf hier und heute. Es ist die Ermutigung, mich heute auf Jesus einzulassen. Die Ermutigung, ihm zu glauben, sein Gottvertrauen, seinen Glauben zu wagen und nachzuleben. So sind er und seine Sache lebendig. So wird es sich zeigen, ob das, was er gelebt hat, trägt und Bestand hat – auch in Corona-Zeiten. So wird es sich zeigen, ob es noch lebendig ist und Kraft hat – auch angesichts der Furcht, die sich jetzt vielerorts einnistet. Mich heute von ihm anrühren, stärken und in Bewegung bringen zu lassen, darum geht es! Wo Menschen dies tun, da wird er lebendig. Da ist er gegenwärtig mitten unter uns. Als der Auferstandene! Amen.

Pastor Eckhard Bock, Beverstedt

Simon Bellett

Alte Glocken, neues Spiel - von Simon Bellett

ALTE GLOCKEN, NEUES SPIEL
Es ist 2007 und ein junger Mann sitzt am Keyboard in meinem Musikstudio. Während der Konfirmandenzeit hatte er sein Interesse an Kirchenmusik entdeckt. Seit circa zwei Jahren nimmt er hin und wieder eine Unterrichtsstunde bei mir.
Gerade haben wir kurz unterbrochen, um Noten auszudrucken. Während ich am Computer tippe, höre ich eine Tonfolge vom Keyboard und frage „Was spielst du da?“.
„So klingen die Kirchenglocken in Bremen Blumenthal.“, kommt seine überraschende Antwort.
Ich kehre zum Instrument zurück und wundere mich, als ich versuche, die Melodie selbst nachzuspielen.
„Du spielst auf den schwarzen Tasten?“
„Ja. Das sind die Töne – so läuten die Glocken dort.“
„Du weißt vom Hören genau welche Tasten es sind?“
„Ja!“
Fasziniert und beeindruckt, erkläre ich ihm, dass er offensichtlich ein absolutes Gehör hat.
„Kann das nicht jeder Musiker?“
„Nein. Das können wirklich nur wenige. Es ist eine ganz besondere Gabe.“
Es vergehen einige Jahre. Mein Schüler kommt weiterhin in nregelmäßigen Abständen zum Unterricht.Er erarbeitet sich vieles selbst und meldet sich dann und wann, wenn er wieder Fragen gesammelt hat oder auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitet. Sein Faible für Kirchenglocken bekomme ich nur am Rande mit,bis ich in 2017 ein geplantes Konzert auf Helgoland erwähne.„Sankt Nicolai?“ Das Glockengeläut dieser Kirche habe er sich neulich bei YouTube angehört. Er erklärt mir, wieviele Glocken die Kirche besitzt und nennt mir die Töne. Für mich völlig neu: Wer sich für KIirchenglocken interessiert, kann mittlerweile seiner Leidenschaft im Internet nachgehen.
Ein paar Wochen später ist es soweit: Ich stehe vorm Gotteshaus auf dem Oberland der Hochseeinsel.Tatsächlich läuten gerade die besagten Glocken. Spontan ziehe ich mein iPhone aus der Tasche und
schicke meinem Schüler eine Audio-Aufnahme, dann die Frage„Wo bin ich?“.
Kurze Zeit später „pingt“ es: „Du bist auf Helgoland.“
Na – so schwer war das nun wirklich nicht, das Konzert war ja angekündigt. Aber die Idee des „WhatsApp-Glocken-Quiz“ ist geboren!
Bei der nächsten Gelegenheit, eine Trauung in einer Bremerhavener Kirche, schicke ich wieder eine Glockenaufnahme mit der Frage „Wo bin ich?“ Diesmal bin ich wirklich gespannt!.
Ungefähr 1 Stunde später kommt die Antwort per Sprachnachricht. Mein Schüler erkennt die Kirche anhand von Glockenzahl und Tonart. Ich höre deutlich an seiner Stimme, dass das Rätseln ihm großen Spaß macht.
Rätsel mochte ich schon immer. Ich spüre wie ein „Wetten, dass..?“-Gefühl in mir wächst. Wie genau kennt er die Glocken? In welchem Umkreis? Das muss ja mal getestet werden. Mit dem Handy wird für Glockeninteressierte eine neue Ära eingeläutet...!
Mein Schüler nimmt die Herausforderung gerne an und die Technik macht es möglich. Über die nächsten Monate schicke ich ihm immer wieder Glockenaufnahmen mit der Frage „Wo bin ich?“.
Und mein Wissen wächst:
„Das ist die größte und tiefste Glocke der Stadt.“
„Das nennt man ein Te Deum Geläut.“
„...ein Wachet Auf Motiv in D.“
„...gegossen zwischen 1200 und 1250, gehören diese Glocken zu den Ältesten der Region.“
Bei einem Gottesdienst in Beverstedt kann ich von der Orgel aus direkt in den Glockenturm gehen. Dort stehend, mache ich meine Aufnahme.
„Ich vermute, dass du in Beverstedt bist aber die zweite Glocke ist nicht zu hören.“ Nach dem Gottesdienst läutet es wieder. Ich gehe vor die Kirche und staune. In der Tat sind von hier zwei Glocken zu hören. Die Glockentürme stehen rechts und links. Einfach genial geraten!
Mit jedem Austausch von Nachrichten lerne ich dazu und meine Wahrnehmung wird zusehends geschärft. Ich höre jetzt, wieviele Glocken ertönen, weiß, dass es eine Läuteordnung gibt, dass manche Kirchen bis
zu 6 Glocken besitzen, dass aber nur zu besonderen Festtagen alle 6 erklingen. Ich höre den Unterschied zwischen einer Moll- und einer Durglocke, achte auf die Obertonstruktur, …
Das „Raten mit SIM-Karten“ wird eine echte Leidenschaft und ich muss über 80 km fahren bis mein Schüler an seine Grenzen kommt:
„Die Glocken kenne ich bisher nicht. Das muss erheblich weiter weg sein. Wo bist du?“
Wieviele Jahre habe ich in Kirchen musiziert, ohne überhaupt auf die Glocken zu achten? Gehört, aber nie bewusst hingehört. Ist es nicht wunderbar, wenn sich eine neue Welt eröffnet, obwohl sie schon
immer da war? Im Leben gibt es so viel zu entdecken und in diesem Fall habe ich, der Lehrer, viel von meinem Schüler gelernt.
In der heutigen Zeit schimpfen viele darüber, dass unsere Kultur unter dem Einfluss der neuen Medien leidet. Aber hier gibt es ein Gegenbeispiel. Wer sich für Kirchenglocken interessiert, kann sich online informieren. Ob es sich um die zwei Helgoländer Kirchen, den Kölner Dom oder vielleicht York Minster in England handelt, die Glocken kann man heutzutage im Internet hören und sogar schwingen sehen. Wie entstehen Glocken? Wie unterscheiden sich Traditionen von Land zu Land? Hier gibt es viel zu erfahren und entdecken: Täglich kommen neue Glockenaufnahmen der weltweiten Glockenlandschaft dazu.Anscheinend bin ich nicht der Einzige, der von der Leidenschaft eines anderen angesteckt wurde.
Übrigens: Es ist kein Zufall, dass ich mich für dieses „hörbare Hobby“ begeistern kann. Seit der Kindheit erblinden meine Schwester und ich durch Retinitis Pigmentosa, eine erbliche Augenkrankheit. Jahr für
Jahr schränkt sich das Gesichtsfeld ein und es schliessen sich Türen. Autofahren ist für mich schon lange Geschichte. Irgendwann fiel das Notenlesen weg und seit ein paar Jahren erkenne ich keine Gesichter
mehr. Jeder, der mit Behinderungen konfrontiert wird, kennt diese Einschränkungen. Ganze Bereiche des Lebens stehen nicht mehr zur Verfügung und dies kann extrem beängstigend und schmerzhaft sein.
Trotzdem erlebe ich viel. Unsere Welt ist wirklich wunderbar gemacht und es öffnen sich auch neue Türen: Manche stoße ich von selber auf. Ich lerne zum Beispiel ein Musikinstrument nach dem anderen. Ich bin neugierig, suche Herausforderungen, die ohne Augenlicht machbar sind und staune
immer wieder, wie viel es noch zu entdecken gibt. Andere Türen gehen spontan und völlig unerwartet auf. Ich liebe es, wenn so etwas passiert! So war es bei dem Kirchenglocken-Quiz.Ein Musikinstrument habe ich noch nicht ausprobiert: Das Glockenspiel. Dafür habe ich das „Kirchenglockenspiel“ und es gibt noch viele Glocken zu entdecken. Ich freue mich über neue Spielorte und mein Smartphone ist immer dabei. Wenn im Gottesdienst das Orgelvorspiel etwas verspätet anfängt,
wissen Sie bescheid. Ich habe gerade die Glocken aufgenommen und muss schnell noch eine „Wo bin ich?“-WhatsApp verschicken.
„Auch in 2020 werde ich viel in den Kirchen unterwegs sein.“ – mit diesem Satz sollte dieser Beitrag ursprünglich zu Ende sein. Ein runder Abschluss für einen Text, der genau auf zwei Seiten DIN-A4 passte. Jetzt läuft aber nichts mehr rund. Die Corona-Krise hat uns fest im Griff und wir erkennen
unseren Alltag kaum wieder. Das Unterwegssein ist für alle stark reduziert.
Und die Kirchen? Gottesdienste, Konfirmationen und Konzerte werden abgesagt oder verschoben, aber wenigstens läuten noch die Glocken. In der Stadt ist es merkwürdig still geworden. Der Klang trägt sich noch weiter als sonst über die Dächer und durch die Straßen. Vielleicht nimmt der eine oder andere zum ersten Mal das Läuten wahr. Die ältesten Glocken haben schon manch eine Krisenzeit überstanden und sind deshalb klingende Symbole für Hoffnung und Zuversicht. Für mich ist das regelmäßige Läuten ein willkommenes Stück Normalität. In dieser Zeit ist alles anders und doch geht es irgendwie weiter. Gestern bekam ich eine WhatsApp Nachricht von einer Frau, die in der Nähe einer Kirche wohnt. Eine Glockenaufnahme! Ich freute mich und konnte es mir natürlich nicht verkneifen, die Aufnahme an meinen Schüler weiterzuleiten. Keine fünf Minuten später hörte ich seine vertraute Stimme: „...dis2 und h1 – eine große Terz im Abstand. Das kann nur die Klosterkirche in Neuenwalde sein. Aber du bist doch nicht vor Ort oder?“ Nein, heutzutage muss man nicht unbedingt vor Ort sein. Ob Home-Office oder Skype-Unterricht,
Corona zwingt uns dazu, neue Wege zu gehen. Weltweit schwenken Menschen auf die Möglichkeitendes Internets um. Ich nehme zum Beispiel gerade Musikstücke für einen Online-Gottesdienst auf und werde der technisch begabten Kirchengemeinde vorschlagen, dass sie den Gottesdienst mit einem Glockengeläut beginnen lässt. Eine Aufnahme gibt es ja bei YouTube...!
Simon Bellett, April 2020
www.bellett.de

Ein österlicher musikalischer Blick in unsere Kirche